Rosenzucht in Deutschland: Welche Sorten Frost und Regen vertragen

Im Februar 2012 zeigte das Thermometer in meinem Garten in Südniedersachsen mehrere Nächte lang minus 18 Grad, und es lag kaum Schnee. Im Mai fehlte von der Hälfte meiner Edelrosen jede Spur. Die Sorten daneben, ein paar unscheinbare Beetrosen und eine alte Kletterrose, trieben dagegen munter aus. Seitdem schaue ich beim Rosenkauf zuerst auf die Robustheit und erst danach auf die Blütenfarbe.

In Deutschland ist das eine sinnvolle Reihenfolge. Unser Klima ist launisch: Kahlfröste im Winter, Spätfröste im April, nasse Sommer mit wochenlangem Dauerregen. Welche Rosen das aushalten, hängt von Sortengruppe, Züchtung und Pflege ab. Dieser Beitrag gibt einen Überblick.

Was „winterhart“ bei Rosen wirklich bedeutet

Die Angabe „winterhart“ in Katalogen ist oft ungenau. Deutschland liegt grob in den Winterhärtezonen 6b bis 8a. In den milden Weinbauregionen am Rhein oder Main sind es etwa minus 12 bis minus 15 Grad als typische Tiefstwerte, in Teilen Ostdeutschlands, im Alpenvorland oder in Mittelgebirgslagen bis zu minus 23 Grad. Eine Rose, die in Köln problemlos durchkommt, kann in Zwiesel ohne Schutz scheitern.

Dazu kommen Faktoren, die selten erwähnt werden:

  • Kahlfrost: Frost ohne Schneedecke schadet mehr als tiefe Temperaturen unter Schnee.
  • Wintersonne: Sonne auf gefrorenen Trieben führt zu Frosttrocknis und Rindenrissen, besonders an Südwänden.
  • Reifegrad des Holzes: Triebe, die im Herbst noch weich sind, erfrieren zuerst. Zu viel Stickstoff im Spätsommer ist deshalb ein klassischer Fehler.
  • Veredlungsstelle: Bei veredelten Rosen ist sie die empfindlichste Stelle. Wurzelechte Rosen treiben nach einem Frostschaden oft aus dem Boden neu aus, und zwar in der echten Sorte.

Das ADR-Siegel als verlässlicher Wegweiser

Wer in Deutschland nach robusten Rosen sucht, kommt an der ADR-Prüfung nicht vorbei. Die „Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung“ testet neue Sorten mehrere Jahre an verschiedenen Standorten, ohne Spritzmittel. Bewertet werden Winterhärte, Blattgesundheit, Blühfreudigkeit und Wuchs. Nur ein kleiner Teil der Kandidaten erhält das Prädikat. Das ist ein deutlich besseres Auswahlkriterium als der Werbetext auf dem Etikett.

Eine Einschränkung: Das Siegel sagt etwas über Durchschnittswerte aus, nicht über Ihren Garten. Ein feuchter Talgrund in der Eifel ist für jede Rose härter als ein luftiger Hang.

Sorten, die sich bei Frost und Regen bewährt haben

Aus meiner Erfahrung und aus den Beobachtungen großer Rosarien lassen sich einige Gruppen klar empfehlen. Die Tabelle zeigt eine Auswahl.

Sorte Gruppe Stärken
‚Bonica 82‘ Strauchrose sehr frosthart, regenfeste halbgefüllte Blüten, gesundes Laub
‚The Fairy‘ Polyantha-Zwergstrauch zäh, kleine Blüten, die Regen kaum übel nehmen
‚Heidetraum‘ Bodendecker robust, selbstreinigend, zuverlässig bis in raue Lagen
‚Schneewittchen‘ (‚Iceberg‘) Beetrose / Floribunda langlebig, blüht trotz Regenperioden zügig nach
‚Hansa‘ Rugosa-Hybride extrem winterhart, salz- und windfest, Hagebutten
‚New Dawn‘ Kletterrose wüchsig, frosthart, widerstandsfähig bei Nässe
‚Dortmund‘ Kletterrose einfache Blüten, die Regen gut abschütteln, gesundes Laub

Warum einfache und halbgefüllte Blüten im Vorteil sind

Stark gefüllte Blüten saugen sich bei Dauerregen voll. Die äußeren Blütenblätter kleben zusammen, die Knospe öffnet sich nicht mehr, und es entsteht der gefürchtete Botrytis-Effekt, das sogenannte „Verballen“. Das trifft viele Historische und Englische Rosen. Einfache oder halbgefüllte Blüten wie bei ‚Dortmund‘ oder ‚Bonica 82‘ lassen das Wasser ablaufen und trocknen schneller. In einem verregneten Juni merkt man den Unterschied sofort.

Wildrosen und Rugosen: die unterschätzten Dauerbrenner

Wildrosen und Rugosa-Hybriden wie ‚Hansa‘ oder ‚Conrad Ferdinand Meyer‘ stecken Frost, Wind und nasse Sommer meist ohne Murren weg. Ihr derbes, runzeliges Laub ist gegen Sternrußtau und Mehltau deutlich robuster als das glänzende Laub mancher Teehybriden. Dafür blühen sie oft nur einmal oder zeigen nicht die klassische Edelrosenblüte. Das ist ein fairer Preis für Gelassenheit.

Rosenbeet im Regen mit tropfenden einfachen und halbgefüllten Blüten

Pflege, die Robustheit unterstützt

Auch die frostfesteste Sorte profitiert von ein paar Handgriffen. Sie kosten wenig Zeit und entscheiden oft über Erfolg oder Ärger.

  1. Standort wählen: Sonnig, luftig, mit Abstand zwischen den Pflanzen. Blätter sollen nach Regen rasch abtrocknen. Ein Platz an einer dichten Hecke oder in einer Mulde ist ungünstig.
  2. Tief pflanzen: Die Veredlungsstelle sollte etwa fünf Zentimeter unter der Erdoberfläche liegen. Das schützt sie im Winter.
  3. Im Spätsommer kaliumbetont düngen: Ab Juli keinen Stickstoff mehr geben, stattdessen etwa Ende August Patentkali. Das fördert das Ausreifen des Holzes.
  4. Im November anhäufeln: Erde oder Kompost 15 bis 20 Zentimeter hoch um die Triebbasis ziehen. Reisig oder Vlies über den Trieben mindert Wintersonne und Frosttrocknis.
  5. Erst spät schneiden: Wenn die Forsythien blühen, ist die Zeit für den Rückschnitt gekommen. Wer zu früh schneidet, riskiert, dass Spätfröste die neuen Triebe erwischen.
  6. Von unten gießen: Das Wasser gehört an den Wurzelbereich, nicht auf die Blätter. Das senkt den Pilzdruck.

Und noch etwas, das ich oft sehe: Mulch aus Rindenmaterial und Laub bleibt im Frühjahr gern zu lange liegen. Er hält den Boden nass und kalt. Lockern Sie ihn nach dem Winter auf.

Wenn der Frost doch zugeschlagen hat

Erfrorene Triebe sind kein Todesurteil. Warten Sie bis Mai, bevor Sie aufgeben. Schneiden Sie dann bis ins gesunde, grüne oder weiße Mark zurück. Treibt eine veredelte Rose erst unterhalb der Veredlungsstelle aus, ist das meist die Unterlage, also eine Wildrose. In dem Fall lohnt eine Neupflanzung. Wurzelechte Rosen dagegen behalten ihre Sortenidentität und erholen sich oft schneller, als man denkt.

Robust wählen, gelassen genießen

Bei der Rosenzucht in Deutschland entscheiden meist drei Dinge: die Sortenwahl nach ADR-Kriterien, ein luftiger Standort und rechtzeitiger Winterschutz. Einfache bis halbgefüllte Blüten kommen mit Regen am besten zurecht, Strauch-, Rugosa- und viele Kletterrosen mit Frost. Rosen sind keine Diven, wenn man sie passend auswählt.

Als nächsten Schritt empfehle ich einen Besuch im nächstgelegenen Rosarium oder Schaugarten, etwa im Europa-Rosarium Sangerhausen oder im Rosarium Uetersen. Dort sehen Sie, wie Sorten nach einem nassen Sommer oder kalten Winter wirklich aussehen. Das ist die beste Entscheidungshilfe, die ich kenne. Außerdem lohnt ein Blick in die aktuelle ADR-Sortenliste, bevor Sie im Herbst Ihre Pflanzung planen.

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